15.11.2016 von Delia Imboden

3 Fragen an Susann Hochgräf, die mit ihrer Reihe books without covers für überraschende Lesungen sorgt

Am vergangenen Samstag war Susann Hochgräf und ihre Berliner Lesereihe books without covers an der BuchBasel zu Gast. Ziel der Lesereihe ist es den Text und dessen Inhalt in den Mittelpunkt der Lesungen zu rücken und nicht die Autor/innen selber. Darüber wurde hier schon im Detail berichtet.

Ich hab das Format für euch in einem Kurzinterview mit Susann Hochgräf jedoch noch etwas genauer unter die Lupe genommen.

Susann, wie konntest du die Reihe books without covers ins Leben rufen, auch unter dem finanziellen Aspekt gesehen?

Das Ganze ist jetzt etwa eineinhalb Jahre her. Ich wollte etwas Neues auf die Beine stellen und auch unbekannten Autor/innen die Möglichkeit geben aufzutreten. In Berlin sind ansonsten oft die immer gleichen Schriftsteller/innen an Lesungen anzutreffen. Dann ging alles eigentlich recht schnell. Die erste Veranstaltung fand in der Gallerie einer Freundin statt. Daher hatte ich die Infrastruktur schon beisammen, weitere Veranstaltungen folgten zum Beispiel in Buchläden oder in einem Off-Theater. Da ist der Deal meistens, dass die Getränkeeinnahmen an die Veranstalter gehen. Die Kosten für die Website und die Flyer kann ich durch kleine Spenden decken. Die Autor/innen erhalten jeweils als Referenz eine Tonaufnahme des Abends, die dann auch auf der Website der Reihe veröffentlicht wird.

Ich werde kommendes Jahr aber einen Förderantrag bei der Stadt Berlin stellen. Die Unterstützung der Stadt ist aber jeweils nur auf ein Jahr beschränkt, was es auch etwas schwierig macht. Denn wenn ich einmal Honorare zahle, dann möchte ich das auch in Zukunft können und nicht wieder zurückkrebsen. Und es sind immerhin jeweils 2-3 Schauspieler und 4-6 Autorinnen, darüber hinaus ist auch der Eintritt frei. In Berlin kann man kaum Eintritt verlangen, denn es passiert sonst auch schon sehr viel und die Konkurrenz ist, auch fördertechnisch, viel grösser als beispielsweise in Süddeutschland.

Was für Reaktionen erhältst du vom Publikum auf das Konzept: Lesen ohne Autor/inn?

Es ist recht spannend.Einerseits will auch nicht jede/r Autor/inn ihren/seinen Text selber lesen und kann es teils auch gar nicht gut. Andererseits ist für das Publikum die Autorenfigur weitaus wichtiger als man denkt. Da passiert es an gewissen Abenden dann schon auch, dass das Publikum sehr überrascht ist, wenn die Schreibenden nach der Lesung enthüllt werden. Es spielt zum Beispiel eine sehr grosse Rolle, ob gewisse Texte von einer Frau oder einem Mann geschrieben wurde. Entweder ist er dann chauvinistisch oder feministisch. Manchmal erwarten die Zuhören nach einem sehr reifen Text auch ältere Autoren. Wenn dann aber ein blutjunges Mädchen auf die Bühne tritt, sind die meisten erstmal sprachlos. Diese Verwirrung, die durch das Konzept entsteht, ist schon spannend.

Welche Rolle schreibst du Facebook, Twitter, Blogs und Co. bei der Bewerbung deiner Veranstaltungen und auch ganz generell in der jungen Literaturszene zu?

Social Media ist schon echt wichtig. Über Facebook kann ich nicht nur die Veranstaltungen bewerben, sondern auch Schreibende finden. Dennoch schliesst Facebook immer auch gewisse Gruppen von vornherein aus. Daher versuche ich es auch mit Emailnewslettern, der eigenen Website. Doch auch die Mund zu Mund Propaganda nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein.

Generell wird im Moment auch viel auf Blogs geschrieben. Da kann jeder schreiben, die Hemmschwelle ist recht niedrig und auch kann jede/r Feedback geben, wodurch eine interessante Feedbackkultur entsteht. Ich denke in Zukunft wird Online schreiben und publizieren noch viel stärker kommen. An der Buchmesse in Frankfurt gab es zum Beispiel auch einen Bloggerstand. Dennoch belächeln viele etablierte Verlage das Bloggen noch und nehmen das was online so passiert auch nicht ganz ernst. Die Onlinewelt hinterfragt halt auch wieder Konzepte der Autorschaft und auch der Literatur selber. Was ist ein Autor noch, was ist Literatur im Endeffekt? Vieles muss daher in Zukunft neu defniert werden.