14.11.2016 von Delia Imboden

"Never judge a book by its cover"

Die BuchBasel hallt auch ein Tag nach dem eigentlichen Festival noch nach...Denn noch lange ist nicht über alles Junge&Wilde, das an der BuchBasel so gelaufen ist, berichtet worden. Daher auf in die nächste Runde!

Am vergangenen Samstagabend gastierte nämlich Susann Hochgräf mit ihrer Berliner Lesereihe books without covers im Sääli im "zum goldenen Fass". Die vierteljährlich in Berlin stattfindende Reihe vertritt das Credo: "Never judge a book by its cover". Im Vordergrund der Lesungen steht der literarische Inhalt eines Buches, nicht dessen Autor/in und schon gar nicht deren Biografien, Auszeichungs- oder Stipendienlisten. Der Clou am Ganzen: An den Events selber werden die Texte von Schauspielern und Schauspielerinnen vorgetragen. Die Schreibenden befinden sich jedoch im Publikum und werden erst nach der Lesung "enttarnt", was zu grossen Überraschungen führen kann, denn öfters als gedacht, spielt der/die Autor/in eine gewichtige Rolle. Wenn diese/r dann plötzlich fehlt, werden einem viele Anhaltspunkte entzogen und man steht vor einem gänzlich neuen Zuhörerlebnis.

Für die Basler Special Session im Sääli hat Susann Hochgräf mit dem Oltener Literaturmagazin das Narr zusammengespannt und schliesslich aus verschiedensten Einsendungen vier Texte ausgewählt. Der Schauspieler Martin Klaus und die Schauspielerin Kathrin Veith liehen den Texten ihre Stimmen.

Den Auftakt macht Kathrin Veith mit einem Text, der in Basel spielt und dessen Protagonist - ein heimlicher Superheld - auf der Suche nach goldenen Leggins ist. Das Publikum schmunzelt, hin und wieder verstohlene Blicke in die Runde... Wer hat den Text wohl geschrieben? Trägt jemand die kennzeichnenden goldenen Leggins? Nein?

Martin Klaus liest dann den zweiten Text, der mit "Herr Bleier" betitelt ist. Ein absurder und selten gehörter Einblick in die Welt eines Tierpräparators eröffnet sich dem Publikum. Und man lernt: "Ganz frische tote Tier geben die bessere Präparate ab". Wer wohl sowas schreibt? Und als was dieser jemand wohl arbeitet?

Dem dritten Text leiht wieder Kathrin Veith ihre Stimme: Der kurllige Jean Schimmel, Fahrplan-Koordinator, nimmt uns in diesem Text mit auf eine Reise durch das Basler Tramschienennetz. Ein/e Basler/eine Baslerin muss diese Text geschrieben haben, ganz eindeutig, oder etwa nicht?

Der vierte Text wiederum von Martin Klaus gelesen, trägt den Titel "Ich mag nicht in die Bresche springen". Klaus erzählt uns eine Geschichte ohne Moral über Nasenblutfaden im Fluss, Tintenkugelschreiber-Kunstwerken auf Unterarmen und einer Frau mit Blumenrock und schönen Lippen.Wer ist sie diese Frau? Irgendwo im Publikum zu sichten?

Die Spannung steigt am Ende dieser süffigen Lesung: Susann Hochgräf tritt auf die Bühne und enthüllt endlich die vier Autor/innen mit Namen und bittet diese auf die Bühne: Roul Fuertes, Adam Schwarz, Gianna Molinari und Daniel Kissling - Applaus, Applaus! Doch die Auflösung wer welchen Text geschrieben hat, soll an dieser Stelle ganz dem Konzept treubleibend, eurer Fantasie überlassen werden!

Wer mehr zu book without covers erfahren möchte, dem sei das Vorbeischauen auf unserem Blog ans Herz gelegt: Denn morgen folgen hier 4 Antworten auf 4 Fragen, die ich Susann Hochgräf, Initiantin der Reihe, gestellt habe.