07.11.2016 von Mariann Bühler & Susann Hochgräf

3 Fragen an: books without cover

Susann Hochgräf über ihre Lesereihe ohne Autor*innen

(c) Manuel Fricke

Du hast "books without covers" gegründet, eine Lesereihe "ohne Autor*innen" - wieso verzichtest du auf Autor*innen auf der Bühne?

In der Regel sind Lesungen sehr stark auf die Autor*innen ausgerichtet, das heisst, ihre Namen eilen den Texten voraus und prägen dadurch die Rezeptionshaltung der Zuhörenden. Ich fand es spannend zu sehen, was passiert, wenn die Autor*innen hinter ihren Texten zurücktreten und das Publikum keinerlei Bewertungskriterien hat als den Text selbst. Ausserdem wollte ich auch gern denjenigen Autor*innen eine Möglichkeit geben bei einer Lesung mitzuwirken, die ihre Texte selbst nicht vorlesen würden.

"books without covers" ist eine relativ junge Lesereihe. Was waren und sind deine grössten Herausforderung als Veranstalterin?

Als grösste Herausforderung empfinde ich es den Autor*innen gerecht zu werden, die uns ihre Texte anvertrauen. Dadurch, dass Schauspieler*innen die Texte lesen, besteht natürlich auch die Gefahr, dass diese den Text anders interpretieren oder vorlesen, als es die Autor*innen selbst tun würden. Darin liegt allerdings auch in gewisser Weise der Reiz und es ermöglicht, anschliessend spannende Gespräche zu führen. Gleichzeitig muss ich mich auf die Qualität der Lesenden verlassen können. Aus finanziellen Gründen können im Vorfeld keine Proben stattfinden, das bedeutet, ich muss dem Demomaterial der Lesenden vertrauen, denn sobald diese auf der Bühne sind, entzieht sich alles weitere meiner Kontrolle und das ist für mich nicht immer leicht.

Gibt es – abgesehen von deiner eigenen Reihe – eine Literaturveranstaltung/Reihe o.ä. die du genial findest? Warum?

Oh, da gibt es einige! Ich mag beispielsweise die Veranstaltungsreihe der Leipziger Künstlerin Anne Munka „Lyrik is Happening“, in der Lyriker und Musiker gemeinsam einen Abend gestalten. Zwei Künste, die ursprünglich immer miteinander im Zusammenhang standen. Es entstehen dabei ganz spannende Sachen, wie zum Beispiel eine Art lyrisches Live Hörspiel. Das spricht natürlich auch ein Publikum ausserhalb der gewohnten Peergroup an.

Susann Hochgräf hat die berliner Lesereihe books without covers Anfang 2015 in Leben gerufen. Die Texte der einzelnen Veranstaltungen gibt es auf ihrer Webseite zum Nachhören. books without covers könnt ihr am 12. November um 20 Uhr im Sääli im Goldenen Fass live erleben.

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