Eric Ehrhardt
Jahrgang 1989, Studium in Leipzig, Basel und New York. Veröffentlichung von Gedichten, Erzählungen und Essays in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien, u.a. in Jenny, Edit, Bella triste und ’Apostrophe. In Illustration, video-installativen Arbeiten und Performance öffnet er die Texte für künstlerische Formate. Kürzlich erhielt er das Fellowship : Literatur der Stiftung Insel Hombroich. Derzeit arbeitet er an seinem Debüt »Im Klauhof«, gefördert durch einen Werkbeitrag vom Literaturausschuss beider Basel, und dem Lyrikband »Ganz mein Dings«.
Moderation:
Erdogan Hayat-Hayriye
Hayat Erdoğan ist Dramaturgin, Autorin, Kuratorin und Dozentin. Von 2019 bis 2025 warsie Co-Direktorin am Theater Neumarkt Zürich. Seit 2010 ist sie Dozentin undMentorin, u. a. an der Zürcher Hochschule der Künste; sie realisierteinternationale künstlerische und forschende Projekte u. a. in Hong Kong,Venedig und Beirut, ist Kolumnistin für das Kulturmagazin Null41 und istTeil der Programmkommission der Solothurner Literaturtage. Debütroman Hauptsachekein Zeitgeist (ET 26.2.2026, claassen/Ullstein).
«Im Klauhof»
Eric Ehrhardt entwirft mit Im Klauhof eine schauerliche Welt, in der das Einkaufszentrum überall ist und die Eigenlogik des „Werbekriegs“ herrscht, die Menschen zu Waren macht. Im Schatten der großen Preisoffensive des Shoppingcenters rüstet sich die „Vermehrungsmeute“ für die Erstürmung der Warenpyramide. Konzepte des Merkantilen vermischen sich mit dem Kriegsgenre, Wortüberlagerungen wie „Strammkunden“ oder „Artikellie“ versetzen das Geschehen in eine Dimension sprachlicher Absurdität, die der Gegenwart nahetritt.
Ein furioses Spiel von Handel und Händel mit Wörtern und Wendungen orchestriert einen Zustand des kompletten Kaufrauschs. Mittels der Puns von Werberhetorik erzeugte Mutanten wie „Pickelegge“ oder „Schluckbürste“ irrlichtern Hunderte neue Trademarks an Orten wie Epicerey, Conserville oder Saint-Carrefour. Im 3D-Programm „Blender“ vom Autor quasi händisch geknetete Illustrationen eines Finger-Zahlencodes verweisen auf versteckte wie auf der Hand liegende Systeme, gegen die ein schelmisches Ich zusammen mit dem sprechenden Klau-Rucksack Schlucki anzukämpfen versucht. Es sind trickreiche „Diebstechniken“ und anarchischer Boykott, die das Getriebe von Konsumismus und Konformismus unterlaufen, analog den poetischen Kalkülen dieses superdichten Textgewebes zwischen Regelzwang und Subversion.
Im Klauhof ist eine ebenso groteske wie bezugsreiche Allegorie auf die Funktionsweisen von Macht, Herrschaft und deren Vermarktung – und die ultimative Lektüre zum Einüben nicht nur literarischer Kryptographien.